Dreh eine beliebige Feuchtigkeitscreme um und lies die erste Zutat. Meist steht dort Aqua, also Wasser. Bei vielen unserer Rezepturen steht an dieser Stelle etwas anderes: Bio-Aloe-vera-Direktsaft. Hier erfährst du, was das ist, was es auf deiner Haut kann – und was nicht.
Was zuerst steht, zählt.
Die Inhaltsstoffliste auf Kosmetik, die INCI, folgt einer festen Regel: Alles, was mehr als ein Prozent ausmacht, steht in absteigender Menge da. Die erste Zutat ist also die mit dem größten Anteil.
Bei klassischen Cremes ist das fast immer Wasser. Eine typische Emulsion besteht zu einem großen Teil aus ihrer Wasserphase, oft zu 60 bis 80 Prozent. Wasser ist dabei nichts Schlechtes. Es ist aber ein Träger, kein Pflegestoff.
Wir haben uns bei vielen Formeln gefragt: Was, wenn schon der Träger etwas mitbringt?
Was ist Aloe-vera-Direktsaft?
Direktsaft heißt: Der Saft wird aus dem Gel im Inneren der Aloe-Blätter gewonnen und so verarbeitet, wie er aus der Pflanze kommt. Er wird nicht aus Pulver oder Konzentrat mit Wasser zurückverdünnt.
In der INCI erkennst du ihn als Aloe Barbadensis Leaf Juice. Das Sternchen dahinter steht bei uns für kontrolliert biologischen Anbau.
Zum Vergleich: Wird Aloe als Pulver eingesetzt, steht in der INCI meist Aqua vorn und Aloe Barbadensis Leaf Juice Powder weit hinten. Der Name klingt ähnlich, die Rezeptur ist eine andere.
So viel Wasser enthält das Gel der Aloe vera von Natur aus. Das restliche Prozent macht den Unterschied.
Ehrlich gesagt: Aloe ist kein „wasserfrei“.
Das gehört zur Wahrheit dazu: Auch das Gel der Aloe vera besteht zu rund 99 Prozent aus Wasser. Eine Formel auf Aloe-Basis ist deshalb nicht „wasserfrei“, und so nennen wir sie auch nicht.
Der Unterschied liegt im restlichen Prozent. Darin stecken mehr als 75 Begleitstoffe der Pflanze:
- Polysaccharide, allen voran Acemannan. Sie machen gut die Hälfte der Trockenmasse aus und können Wasser binden.
- Aminosäuren und Enzyme.
- Vitamine wie Vitamin C, B-Vitamine und Beta-Carotin.
- Mineralstoffe wie Calcium, Kalium und Zink.
Wo sonst einfaches Wasser die Basis bildet, bringt Aloe-Direktsaft diese Pflanzenstoffe gleich mit. Darum geht es uns.
Was Aloe auf der Haut kann – und was nicht.
Aloe vera gehört zu den bekanntesten Pflanzen in der Hautpflege und ist gut erforscht. Ihre Polysaccharide binden Feuchtigkeit. In Studien ließ sich nach dem Auftragen von Aloe-Gel eine höhere Hautfeuchtigkeit messen. Auch eine beruhigende Wirkung auf gerötete Haut wurde beobachtet.
Wir wollen dir aber nichts versprechen, was die Forschung nicht hergibt:
- Die Studien sind meist klein und kurz.
- In einer Untersuchung wirkten reine Aloe-Lösungen nach mehrfacher Anwendung sogar leicht austrocknend. Aloe allein ist also keine vollständige Pflege.
- Bei medizinischen Hautproblemen ersetzt Aloe keine Behandlung.
Deshalb steht Aloe in unseren Rezepturen nie allein. In den Cremes folgen Glycerin, Pflanzenbutter und Öle, die Feuchtigkeit halten und die Haut geschmeidig machen. In den Seren kommt mehrkettiges Hyaluron hinzu.
Wo du Aloe-Direktsaft bei uns findest.
Ob eine Formel auf Aloe aufbaut, siehst du an der INCI auf jeder Produktseite. Der Überblick:
Aloe an erster Stelle, kein Aqua in der INCI
- Anti Aging Hyaluron Serum
- Anti Aging Vitamin-C Serum
- Anti Aging Retinol Serum Booster
- Anti Aging Hydrator Vaporisateur
Aloe statt Wasser als Hauptbestandteil
- Anti Aging Tagescreme und Tagescreme LSF 10
- Anti Aging Nachtcreme
- Anti Aging 24 Stunden Creme
- Anti Aging Bodylotion
So liest du eine INCI selbst.
- Schau auf die ersten drei Zutaten. Sie machen meist den Großteil der Formel aus.
- Achte auf den genauen Namen. Aloe Barbadensis Leaf Juice weit vorn ist etwas anderes als Leaf Juice Powder weit hinten.
- Prozentangaben auf der Front prüfen. „99 % Aloe“ kann sich auf einen zurückverdünnten Rohstoff beziehen. Die INCI zeigt, wo Aloe wirklich steht.
Kurz gesagt: Wir ersetzen bei vielen Formeln einfaches Wasser durch Bio-Aloe-vera-Direktsaft. Er ist selbst überwiegend Wasser, bringt aber Polysaccharide, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe der Pflanze mit. Das ist kein Wundermittel, sondern eine bessere Basis.
Quellen
- Chelu M. et al. (2023): Aloe vera-Based Hydrogels for Wound Healing. Gels 9(7):539. PMC10379830
- Fox L. T. et al. (2014): In vivo skin hydration and anti-erythema effects of Aloe vera, Aloe ferox and Aloe marlothii gel materials. Pharmacognosy Magazine 10(Suppl 2):S392–S403. PubMed 24991119
- Guo X., Mei N. (2016): Aloe vera: A review of toxicity and adverse clinical effects. J Environ Sci Health C. PMC6349368
- International Aloe Science Council: Aloe FAQs. iasc.org
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 (Kennzeichnung der Bestandteile).








